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Finanzielle Unterstützung für Krebspatienten und Angehörige

selbertun.at Sozialratgeber

Eine Krebserkrankung ist auch eine finanzielle Herausforderung. Deshalb möchten wir Ihnen die wichtigsten Unterstützungsangebote für Patienten und Angehörige vorstellen. Bei einigen Angeboten, die auf selbertun.at gelistet sind, können Sie eine finanzielle Unterstützung beantragen.

Bitte beachten Sie, dass diese Übersicht keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und alle Angaben ohne Gewähr sind. Sie ist auch kein Ersatz für eine professionelle Sozialberatung.

Foto: Fabian Blank/unsplash

Krankengeld

Krebspatienten haben grundsätzlich Anspruch auf das Krankengeld. Dieses wird zwölf Monate gewährt, wenn Betroffene in den zwölf Monaten vor Eintritt des Versicherungsfalls mindestens sechs Monate in der Krankenversicherung versichert waren. In Ausnahmefällen und nach chefärztlicher Genehmigung ist eine Ausweitung des Krankengeldbezugs auf maximal 18 Monate möglich.

Egal, ob zwölf oder 18 Monate Anspruchsdauer: Nach Ablauf der Zeitspanne sind Patienten nicht mehr versichert!

Einzige Ausnahme stellt ein Rezidiv dar, das als neue Erkrankung gewertet wird. In diesem Fall beginnen die besagten zwölf oder 18 Monate wieder von vorne.

Wichtig: Betroffene sollten unbedingt spätestens nach sechs Monaten Krankengeldbezug die Krebshilfe, die Arbeiterkammer oder den Sozialversicherungsträger kontaktieren, um das weitere Vorgehen hinsichtlich der Berufsunfähigkeitspension oder Wiedereingliederungsteilzeit (siehe Punkt “Nach dem Krankengeldbezug” unten) fristgerecht zu klären. Unterstützung finden Sie auch bei den auf selbertun.at gelisteten Sozialexperten.

Nach dem Krankengeldbezug

Was geschieht nun nach Ablauf des Krankengeldbezugs? Abhängig von der Diagnose und dem Zustand des Patienten wird entschieden, ob eine Rückkehr in den Beruf möglich ist. Die Pensionsversicherungsanstalt bearbeitet die Anträge je nach Geburtsdatum des Betroffenen unterschiedlich:

  • Personen, die vor dem 1.1.1964 geboren wurden, in Richtung Berufsunfähigkeitspension.
  • Personen, die nach dem 1.1.1964 geboren wurden, in Richtung Rehabilitationsgeld.

- Berufsunfähigkeitspension

Um diese zu erhalten, muss die Berufsunfähigkeit (= die Arbeitsfähigkeit liegt unter 50% von jener eines gesunden Menschen) voraussichtlich mindestens sechs Monate dauern. Darüber hinaus sind mindestens 120 Versicherungsmonate nötig. Außerdem dürfen die Voraussetzungen für eine Alterspension noch nicht erfüllt sein. Die Berufsunfähigkeitspension wird entweder unbefristet oder auf zwei Jahre befristet gewährt. Wird diese zuerkannt, dann muss das Dienstverhältnis karenziert oder beendet werden.

- Rehabilitationsgeld

Wird der Antrag auf Berufsunfähigkeitspension abgelehnt und eine Berufsunfähigkeit festgestellt, die voraussichtlich sechs Monate dauert, dann gibt es die Möglichkeit des Rehabilitationsgeldes der Gebietskrankenkassen. Bei diesem soll die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt werden, aus diesem Grund geht es auch mit Rehamaßnahmen einher. Das Rehabilitationsgeld wird im Ausmaß des Krankengeldes gewährt, vom vierten bis zum 42. Tag sind dies 50% der Bemessungsgrundlage. Ab dem 43. Tag auf dem Niveau des erhöhten Krankengeldes, das 60% der Bemessungsgrundlage ausmacht.

Beispiel: Bei einem Bruttoverdienst von 2.000 Euro mit Anspruch auf Sonderzahlungen (z. B. Urlaubs- und Weihnachtsgeld) erhalten Sie bis zum 42. Tag €36,75 und ab dem 43. Tag €42,60 pro Tag. (Stand August 2019 laut Krankengeldrechner der WGKK; Angaben ohne Gewähr)

- Umschulungsgeld

Für den Fall, dass der Wiedereinstieg in den bisherigen Beruf nicht mehr möglich ist, gibt es zudem die Möglichkeit einer Umschulung. Der Patient erhält - je nach Zugehörigkeitsdauer im Unternehmen - für sechs Monate ca. 85-95% des Letztbezuges in Form des Umschulungsgeldes des AMS. Dieser Anteil sinkt, je länger er aufgrund der Arbeitsunfähigkeit zuhause bleiben muss.

Wiedereingliederungsteilzeit

Eine relativ neue Möglichkeit, um im Beruf wieder Fuß zu fassen, ist die Wiedereingliederungsteilzeit. Diese wird allerdings noch nicht von allen Krankenkassen unterstützt und es besteht leider auch kein Rechtsanspruch auf diese Maßnahme.

Die Wiedereingliederungsteilzeit eignet sich für alle Patienten, die vor der Erkrankung Vollzeit gearbeitet haben, sich aber nach dem längeren Krankenstand dieses Arbeitsausmaß noch nicht zutrauen.

Voraussetzungen für die Wiedereingliederungsteilzeit:

  • Der Betroffene muss mindestens zwölf Stunden in der Woche arbeiten und das Gehalt über der Geringfügigkeitsgrenze liegen (Stand 2019: 446,81 Euro, Angabe ohne Gewähr) und
  • sich einer chefärztlichen Untersuchung unterziehen.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann der Patient mit dem Arbeitgeber ein individuelles Teilzeitmodell über eine Dauer von sechs Monaten (plus drei zusätzliche Monate bei Bedarf) schriftlich vereinbaren. Die wöchentliche Normalarbeitszeit ist um mindestens 25% und bis maximal 50% herabzusetzen.

- Wiedereingliederungsgeld

Die Stundenreduktion wird über das Wiedereingliederungsgeld der gesetzlichen Krankenversicherung größtenteils abgedeckt. Es wird basierend auf dem erhöhten Krankengeld (siehe Punkt “Rehabilitationsgeld”) entsprechend der vereinbarten Arbeitszeit berechnet. Wird bei der Wiedereingliederungsteilzeit die wöchentliche Normalarbeitszeit um beispielsweise 50% reduziert, dann erhält der Patient auch 50% des erhöhten Krankengeldes. Wer das Wiedereingliederungsgeld erhält, kann übrigens kein Krankengeld beziehen!

Behindertenpass

Krebspatienten können beim Sozialministeriumsservice einen Behindertenpass beantragen. Leider lassen sich viele schon vom Namen dieses amtlichen Lichtbildausweises abschrecken - das sollten sie aber nicht. Denn der Behindertenpass bietet einige bemerkenswerte Vorteile.

Er wird ab einem Behinderungsgrad von mindestens 50% ausgestellt und bringt dem Besitzer einen Pauschalfreibetrag beim Lohnsteuerausgleich, um damit Aufwendungen wie Selbstbehalte abzusetzen, sowie zahlreiche Ermäßigungen (etwa Eintritte in Museen etc.).

Der Behinderungsgrad von mindestens 50% ist zudem auch für die Jobsicherheit relevant - weitere Infos siehe Punkt “Feststellungsbescheid” unten.

Wichtig: Der Antrag auf den Behindertenpass hat keine Auswirkung auf den Führerschein!

Jobsicherheit

Auch wenn Betroffene nicht verpflichtet sind, den Arbeitgeber über die Art der Erkrankung zu informieren, gehen erfahrungsgemäß viele Patienten offen damit um. Zur Absicherung des Arbeitsplatzes in dieser Situation gibt es zwei Möglichkeiten: den Feststellungsbescheid und den Wiedereinstellungsbescheid.

- Feststellungsbescheid

Liegt ein Behinderungsgrad von mindestens 50% vor, kann ein Feststellungsbescheid beim Sozialministeriumsservice beantragt werden. Dieser sorgt für einen Kündigungsschutz, der schon ab dem Zeitpunkt der Antragstellung gilt. Der Arbeitgeber muss darüber umgehend informiert werden.

Den Feststellungsbescheid können Betroffene übrigens jederzeit zurücklegen, etwa wenn ein Jobwechsel ansteht.

Wichtig: Es gibt eine Ausnahme, bei der der Kündigungsschutz nicht mehr wirksam ist: Wenn der Patient aufgrund seiner körperlichen Verfassung nicht mehr in der Lage ist, seine Arbeit zu erledigen. In diesem Fall kann trotz Feststellungsbescheid eine Kündigung erfolgen.

- Wiedereinstellungsbescheid

Manchen Unternehmen ist es nicht möglich, den Mitarbeiter zu halten und bieten diesem stattdessen einen Wiedereinstellungsbescheid an. Mit diesem wird die Rückkehr an dem ursprünglichen Arbeitsplatz nach der Genesung verbindlich zugesagt.

Kostenlose Unterstützungsangebote

- Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen bieten kostenlose Treffen an, die häufig sogar in der Nähe stattfinden. Sie dienen zum Erfahrungsaustausch, aber auch zur Wissensvermittlung. Viele Selbsthilfegruppen bieten Vorträge und Gesprächsrunden mit Ärzten, Therapeuten und anderen Experten. Selbsthilfegruppen finden Sie auf selbertun.at

- Onkologische Rehabilitation

Vom Arzt kann die ambulante onkologische Rehabilitation verordnet werden. Für Patienten ist diese - abgesehen von den Anfahrtskosten - völlig kostenlos. Aufgrund ihrer Struktur eignet sie sich besonders für Alleinerziehende und Menschen, die einen beruflichen Wiedereinstieg anstreben. Sie wird derzeit an drei Standorten in Österreich angeboten, unter anderem am Vinzenz Ambulatorium. Die ambulante onkologische Rehabilitation erstreckt sich über sechs Wochen und findet zwei- bis dreimal wöchentlich statt. Insgesamt werden 60 Therapieeinheiten absolviert.

In ganz Österreich gibt es außerdem Einrichtungen der stationären onkologischen Rehabilitation wie etwa das Lebens.Med Zentrum Bad Erlach. Diese Variante dauert in der Regel drei Wochen, in denen die 60 Therapieeinheiten vor Ort absolviert werden. Für die stationäre onkologische Rehabilitation ist ein nach Einkommen gestaffelter Selbstbehalt zu bezahlen, der sich im Bereich von 167,97 bis 406,35 Euro bewegt. Geringverdiener mit einem Einkommen von unter 889,84 Euro brutto im Monat sind vom Selbstbehalt befreit (Stand 2019, alle Angaben ohne Gewähr).

- Kostenlose Hilfsmittel für den Alltag

Ebenfalls kostenlos vom Arzt verordnet werden können diverse Hilfsmittel für den Alltag. Darunter fallen: Pflegebett, Dekubitusmatratze, Perücken, Treppenhilfen, Badebrett, hochkalorische Nahrung und vieles andere.

- Kostenlose Beratungsangebote der Krebshilfe

Die Österreichische Krebshilfe bietet im ganzen Land kostenfreie und anonyme Beratungen an, die sich von der Psychoonkologie über diätologische Unterstützungsmöglichkeiten bis hin zur Klärung sozialrechtlicher Fragen erstrecken. Die Krebshilfe Oberösterreich ist bereits auf selbertun.at vertreten.

Finanzielle Nothilfen der Krebshilfe

Unter gewissen Voraussetzungen bietet die Krebshilfe finanzielle Unterstützung für Patienten in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage.

Drei Arten der finanziellen Unterstützung stehen zur Verfügung und können über den Dachverband der Krebshilfe beantragt werden:

- Finanzielle Soforthilfe

Die finanzielle Soforthilfe ist für wirtschaftliche Krisen gedacht, die durch die Krebserkrankung entstanden sind. Bis zu 2.500 Euro krankheitsbezogene Ausgaben (Selbstbehalte, Medikamente, Bandagisten-Produkte, Kinderbetreuung etc.) können rückerstattet werden.

Voraussetzungen

  • Ein Nachweis, dass der Lebensmittelpunkt der Person in Österreich ist
  • Die persönliche Vorsprache bei einer Krebshilfe-Beratungsstelle
  • Die Vorlage der aktuellen medizinischen Befunde
  • Ein Einkommensnachweis
  • Eine Bestätigung, dass alle anderen rechtlichen Ansprüche ausgeschöpft sind
  • Eine Vorlage jener Kosten, die durch die Krebserkrankung anfallen und die Person in eine Notlage bringt, ist ebenfalls vorzuweisen
  • Die Kosten für eine alternativmedizinische Behandlung werden nicht übernommen

Wichtig: Für die Rückerstattung müssen unbedingt Rechnung und Zahlungsbeleg vorliegen!

- Ausgleich der Einkommensdifferenz

In einer finanziellen Notsituation gleicht die Krebshilfe auch die Differenz zwischen Krankengeld und dem ursprünglichen Nettogehalt aus. Ein halbes Jahr lang wird ein Zuschuss von bis zu 300 Euro/Monat ausbezahlt.

- Lebensmittelzuschuss

Der Lebensmittelzuschuss wird in besonderen Härtefällen gewährt. Der Betroffene erhält zweimal 300 Euro für Lebensmitteleinkäufe im Abstand von drei Monaten.

Nähere Informationen zu diesen Unterstützungsmöglichkeiten erhalten Sie bei der Krebshilfe bzw. bei der Krebshilfe Oberösterreich auf selbertun.at

Finanzielle Unterstützung bei psychoonkologischen Angeboten

Die Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie (ÖGPO) stellt einkommensschwachen Menschen einen Zuschuss für die psychoonkologische Therapie zur Verfügung. Wird ein Einkommensnachweis vorgewiesen, muss nur mehr eine E-Mail an die zuständige Person geschrieben werden. Diese teilt dann die weiteren Vorgehensweisen mit und informiert ob und wie viel Zuschuss gewährt wird. Hier kann die finanzielle Unterstützung für die psychoonkologische Therapie beantragt werden.

Unterstützungsangebote für Studierende

Wenn Studierende aufgrund einer chronischen Erkrankung verhindert sind, an Vorlesungen und Prüfungen teilzunehmen, erlässt die ÖH den Studienbeitrag von ca. 20 Euro pro Semester. Eine andere Möglichkeit der finanziellen Unterstützung ist der ÖH-Sozialfond. Ein Zuschuss kann einmalig bei hohen medizinischen Kosten beantragt werden. Die Universitäten gewähren chronisch kranken Menschen ein höheres Maximalalter für den Studienbeginn - statt 30 liegt dies bei 35 Jahren.

Eine Anlaufstelle, an die sich unter anderem auch krebskranke Studentinnen und Studenten wenden können, ist Uniability. Diese Arbeitsgemeinschaft setzt sich für Menschen mit Beeinträchtigung und chronischen Erkrankungen ein.

Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige

Angehörige können nicht nur den Betroffenen tatkräftig unterstützen, sondern auch selber Hilfen in Anspruch nehmen.

- Pflege- und Hospizkarenz

Ist der Patient pflegebedürftig, gibt es die Möglichkeit der Pflege- und Hospizkarenz für Angehörige. Im September 2019 hat der Nationalrat einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz beschlossen. Angehörige, die in einem Betrieb mit mehr als fünf Arbeitnehmer beschäftigt sind, können bis zu vier Wochen in Anspruch nehmen und erhalten ein Pflegekarenzgeld in der Höhe des fiktiven Arbeitslosengeldes.

Über die vier Wochen hinaus kann mit dem Dienstgeber auf freiwilliger Basis eine Pflegekarenz für maximal sechs Monate vereinbart werden. Danach ist ein unbezahlter Pflege- oder der reguläre „Erholungsurlaub“ zu verwenden.

- Mitversicherung pflegender Angehöriger

Wird ein Patient mit Pflegestufe 4 betreut, besteht die Möglichkeit einer Mitversicherung von pflegenden Angehörigen. Pflegestufe 4 bedeutet nämlich, dass der Patient mehr als 180 Stunden fremde Hilfe im Monat benötigt und der Pflegebedarf somit die monatliche Gesamtarbeitszeit einer Vollzeitstelle überschreitet. Deshalb steht der pflegende Angehörige dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Die Pensionsversicherungsanstalt übernimmt in diesem Fall sämtliche Sozialversicherungsbeiträge.

- Angehörigencafé

Eine wertvolle Hilfe in einer derart schwierigen Situation bietet das Angehörigencafé, das Mut und Wissen für den Alltag gibt. Die Teilnahme ist kostenlos, der Einstieg jederzeit möglich.

Krebsversicherung

Krebsversicherungen sind relativ neu am Markt. Es gibt etwa Risikoversicherungen, mit denen unter anderem die Kosten für eine Zweitmeinung abgedeckt werden oder auch welche, die eine sofortige Auszahlung anbieten. Einige Anbieter versichern außerdem die Kinder automatisch mit. Für nähere Informationen zu diesen Versicherungen sollte eine Sozialberatung in Anspruch genommen werden.

Sozialrechtliche Beratung

Viele Aspekte des Sozialsystems sind in jedem Bundesland anders geregelt, zudem gibt es zahlreiche Sonderregelungen und Zusatzangebote (siehe Punkt oben “Krebsversicherung”), für die eine umfassende Beratung durch Experten nötig ist.

Kompetente Sozialberater finden Sie auf selbertun.at